Fazit: Wohnen – ökologisch und günstig? So geht das!

Am 03.02. fand Abends wieder unser grüner Bürger*innenstammtisch im Dorfbullen statt. Zu Gast waren neben Sven Eisele, Geschäftsführer der KreisWohnstättenGenossenschaft Halle Westfalen eG (kurz: KWG) 15 weitere Interessierte und ein Vertreter der Presse.
Nach der Begrüßung durch Heike Horn und Detlef Gohr stellte Herr Eisele kurz die KWG vor und stellte sich den Fragen der Anwesenden:

Wie wird sozialer Wohnungsbau finanziert und wie kann man ökologische Baustandards weiter etablieren?

Herr Eisele wies darauf hin, dass Steinhagen in diesem Bereich eine Vorreiterrolle innehat, da die Gemeinde zusätzliche Fördergelder bereitstellt.

Wie umkämpft ist der Wohnungsmarkt momenan?

Momentan werden in Steinhagen ca. 150 Wohnungen allein bei der KWG gesucht. Die Mehrzahl der Gesuche betrifft kleine Wohnungen.

Warum befinden sich keine Passivhäuser im KWG Bestand?

Passivhäuser benötigen neben hohen Dämmstandards eine Wohnungsbezogene aktive Be- und Entlüftung und eine geregelte Verschattung. Neben den zusätzlichen Kosten für den Bau und Betrieb (Strom und Wartung) spielt das Nutzungsverhalten der Mieter*innen eine große Rolle: Die Bedienung z.B. von Lüftungsanlagen ist für viele Mieter*innen ungewohnt und bei unsachgemäßer Nutzung können neben Komfortverlusten auch Schäden am Gebäude auftreten.

Beispiel für Unterschiede im Nutzungsverhalten:

Die Spanne der Heizkosten in baugleichen KWG Wohneinheiten ist sehr groß:

z.B. in einem Block, der nach KfW 85 Standard¹ gebaut wurde, reichen die Heizkosten von 0,56€/m² bis 1,82€/m²

Durch das Nutzungsverhalten kann also der Heizbedarf mindestens ebenso stark beeinflusst werden, wie durch den Baustandard.

Das ist vergleichbar mit dem Autofahren: Ein sparsames Auto verbraucht bei einer Fahrweise mit anhaltend hoher Drehzahl auch mehr, als andere Autos, die sparsamer gefahren werden.

Wie geht die KWG mit Mieter*innen um, die sehr viel Heizenergie benötigen?

In der Vergangenheit hat die KWG eine Energiefibel herausgegeben und Energieberatungen für Mieter*innen angeboten. Leider wurden diese Angebote nicht wahrgenommen, sodass sie mittlerweile wieder eingestellt wurden. Momentan werden die Heizkosten durch Heizkostenabrechner in Rechnung gestellt. Je nach Anbieter enthalten die Rechnungen Durchschnittsverbräuche oder Vorjahreswerte, sodass Vergleiche möglich sind.

Wie Wirksam ist die nachträgliche Dämmung von Bestandsbauten?

Das ist stark abhängig vom bisherigen Baustandard. Bei Modernisierungen werden nicht nur die Außenwände, sondern auch das Dach, die Kellerdecke und die Fenster erneuert und isoliert. Zusätzlich wird die Heizungsanlage erneuert. Durch diese Maßnahmen sind je nach Nutzungsverhalten erhebliche Einsparungen möglich.

Was sagen die Mieter*innen zu energetischen Sanierungen?

Die KWG befragt im Vorfeld die betroffenen Mieter*innen, um den gewünschten Baustandard zu ermitteln. Auf Versammlungen werden die Baumaßnahmen dann vorgestellt. In der Regel sind die Mieter glücklich, wenn die Baumaßnahmen erfolgreich abgeschlossen sind.

Welche Dämmmaterialien werden genutzt?

Die KWG nutzt bei energetischen Sanierungen in der Regel Polystyrol basierte Dämmstoffe, weil sie kostengünstig und leicht zu verarbeiten sind. Aus Nachhaltigkeitsgründen wären andere Stoffe aber zu bevorzugen. Leider lassen die Förderungen von Alternativen zu wünschen übrig.

Warum befinden sich keine Photovoltaikanlagen auf den Dächern von KWG Gebäuden?

Der Hauptgrund dafür sind hohe bürokratische und auch steuerliche Hürden. Auch eine Vermietung der Dachflächen konnte bisher aus steuerlichen Gründen nicht realisiert werden. Die KWG ist offen für Lösungsvorschläge.

Fazit:

Der Abend war sehr interessant und bei den teilnehmenden ist die Erkenntnis gereift, dass zum Energiesparen im Baubereich nicht nur bauliche Maßnahmen erforderlich sind, sondern das Nutzungsverhalten ebenfalls angepasst werden muss.

Trotzdem wird als Ziel weiterhin das soziale Passivhaus als Pilotprojekt angestrebt und vielleicht wird dies durch neue Ideen schon bald realisierbar.

¹ KfW Standard:

Die Zahl in der Baustandard-Bezeichnung gibt an, wie viel Primäreneergie im Vergleich zum Referenzgebäude der EnEV verbraucht wird.

z.B. braucht ein KfW 85 Haus 85% der Primärenergie des genannten Referenzhauses

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